Bisher merke ich noch keine größeren Veränderungen. Ich hatte diese Woche zwei Tage, an denen es mir nicht so gut ging und ich kaum aus dem Bett kam. Ansonsten fühlte ich mich weder außergewöhnlich gut noch außergewöhnlich schlecht. Was mir jedoch auffällt ist mein hohes Schlafbedürfnis. Bin mir aber nicht sicher, ob das überhaupt mit Valdoxan zusammenhängt, denn das Medikament sollte mich tagsüber eigentlich nicht müde machen. Vergangene Nacht hatte ich außerdem einen total seltsamen Traum: Ein Engel war in mich verliebt. Und aus irgendeinem Grund haben wir gewettet. Der Engel meinte, wenn er die Wette verlieren würde, würde er von einer Atombombe getroffen. Ich habe die Wette gewonnen - und in dem Moment wurde mir klar, dass die Atombombe den Engel JETZT treffen und wir alle mit ihm sterben würden. Erst kam ein Gefühl der Panik hoch, aber mir war bewusst, das ich nicht mehr würde weglaufen können. Da fiel mir ein, das man so schnell verbrennen würde, dass man den Schmerz nicht fühlt. Dann sah ich ein helles Licht und verbrannte. Aber ich war nicht tot, weil der Engel mich wiederbelebte. Ich fragte ihn, warum er das getan habe, trotz der Gefahr, dass wir alle mit ihm sterben könnten. Der Engel meinte darauf hin, es sei kein Vielleicht gewesen. Er hätte gewusst, dass er die Wette nicht gewinnen könnte. Und bei Engeln gäbe es bei der Begleichung der Wettschuld kein Irgendwann, sondern nur ein Sofort. Ich war erschrocken über die Kaltblütigkeit. Dann kamen Feuerwehrmänner und retteten uns.
Später brachte mich der Engel um, weil er mich nicht mehr liebte und ich irgendetwas Böses getan habe. Ich weiß nur noch, dass er etwas auf mich geworfen hat, das mein Gesicht zertrümmerte. Dann bin ich an einer Wasseroberfläche als "Seelenwesen" aufgetaucht - alle Seelen sahen aus wie Quallen. An der "Pforte" stand ein Geist-Engel, der aber direkt von meinem Geist-Engel (der aussah wie eine Krake) abgelöst wurde. Denn er war auf der Suche nach mir und wollte mich unter all den Seelen wiederfinden. Er hatte gedacht, er könne mich nicht mehr lieben - aber er liebte mich noch immer und wollte mich wieder in einen Menschen verwandeln ...
Ziemlich verrückter Traum! Da er sich aber nicht wie ein Alptraum angefühlt hat und ich ansonsten gut geschlafen habe, denke ich nicht, dass ein Zusammenhang mit Valdoxan besteht.
In zwei Tagen sollte man die ersten Wirkungen spüren. Bin sehr gespannt - und vor allem froh darüber, dass ich keine Nebenwirkungen habe.
Sonntag, 19. April 2009
Samstag, 11. April 2009
4. Valdoxan genommen - keine Nebenwirkungen
Irgendwie kommt es mir seltsam vor, täglich in mein Blog zu schreiben: keine Beschwerden. Dennoch finde ich es wichtig, dass auch jemand mal schreibt, wenn er ein Medikament gut verträgt. Sonst bekommen andere Patienten vielleicht ebenso große Panik wie ich, als ich die ganzen Forum-Beiträge von Depressiven gelesen hatte, die Valdoxan so schlecht vertragen. Hoffentlich sehen meine Leberwerte so gut aus, wie ich mich fühle. Habe ziemliche Angst, dass meine Leber von dem Antidepressivum zerfressen wird und ich es nicht merke. Trinke deshalb auch ganz brav keinen Alkohol ...
Freitag, 10. April 2009
Neuer Tag mit Valdoxan
Tag 3 ist hereingebrochen - und mittlerweile auch schon wieder vorbei. Kann bisher an Valdoxan nichts bemängeln. Ich vertrage das Medikament ausgezeichnet. Die Wirkung kann ich allerdings zurzeit auch noch nicht abschätzen. Heute jedenfalls ging's mir super. War mit Freunden in Luxemburg unterwegs, Schloss Vianden besichtigen. Fühle mich gerade überhaupt nicht depressiv, sondern ziemlich optimistisch und unternehmungslustig.
Obwohl dieses Blog wahrscheinlich nicht so notwendig ist, wie ich zuerst dachte (da Valdoxan bei mir ja scheinbar keine Nebenwirkungen hat), werde ich es dennoch weiterführen...
Obwohl dieses Blog wahrscheinlich nicht so notwendig ist, wie ich zuerst dachte (da Valdoxan bei mir ja scheinbar keine Nebenwirkungen hat), werde ich es dennoch weiterführen...
Donnerstag, 9. April 2009
2. Tag mit Valdoxan
Bin ganz überrascht, dass ich immer noch keine Nebenwirkungen habe. Habe durchgeschlafen, keine Kopfschmerzen, keine Alpträume. Überlege bereits, ob ich das Medikament besser in einer Tiefphase genommen hätte. Momentan geht's mir sowieso gerade nicht so schlecht. Hoffentlich schädige ich damit jetzt nicht unnötig meine Leber.
Verspreche mir eigentlich generell mehr von der Psychotherapie. Muss heute unbedingt ein paar Therapeuten anrufen und fragen, ab wann es möglich ist, eine Therapie zu beginnen. Mittlerweile denke ich, dass die Wurzel allen Übels einfach nur ein klassisches Vater-Tochter-Problem ist. Denn immer wenn ich zu Hause war, geht's mir wieder besonders schlecht. Muss also nur lernen, wie ich damit umgehe, mich von ihm zurückgewiesen und vernachlässigt zu fühlen. Immerhin bin ich schon über 30. Langsam sollte es mich nicht mehr treffen, wenn mein Vater nicht so herzlich ist, wie ich es mir von ihm wünsche. Er ist eben so. Immer. Und er meint es bestimmt nicht persönlich. Daher könnte ich ihn auch einfach annehmen wie er ist. Anstatt mehr von ihm zu erwarten, als er sein kann. Wieso mir das nicht gelingt, ist mir ein Rätsel. Denn bewusst ist es mir schon, dass mein Verletztsein allein von mir ausgeht.
Verspreche mir eigentlich generell mehr von der Psychotherapie. Muss heute unbedingt ein paar Therapeuten anrufen und fragen, ab wann es möglich ist, eine Therapie zu beginnen. Mittlerweile denke ich, dass die Wurzel allen Übels einfach nur ein klassisches Vater-Tochter-Problem ist. Denn immer wenn ich zu Hause war, geht's mir wieder besonders schlecht. Muss also nur lernen, wie ich damit umgehe, mich von ihm zurückgewiesen und vernachlässigt zu fühlen. Immerhin bin ich schon über 30. Langsam sollte es mich nicht mehr treffen, wenn mein Vater nicht so herzlich ist, wie ich es mir von ihm wünsche. Er ist eben so. Immer. Und er meint es bestimmt nicht persönlich. Daher könnte ich ihn auch einfach annehmen wie er ist. Anstatt mehr von ihm zu erwarten, als er sein kann. Wieso mir das nicht gelingt, ist mir ein Rätsel. Denn bewusst ist es mir schon, dass mein Verletztsein allein von mir ausgeht.
Mittwoch, 8. April 2009
1. Morgen nach Valdoxan
Ich hatte mich innerlich bereits darauf vorbereitet, dass ich entweder heute Nacht nicht schlafe oder mit üblen Kopfschmerzen und/oder Magenproblemen aufwache. Die positive Überraschung: Nichts ist passiert! Konnte problemlos durchschlafen. Mir geht's gut. Schleppe mich durch den Tag - wie gewöhnliich. Aber die Tabletten sollen ja auch erst nach zwei Wochen eine Wirkung zeigen.
Hoffentlich geht es so weiter, bis sich die erste Wirkung zeigt. Morgen muss ich zur Blutabnahme, um die Leberwerte überprüfen zu lassen. Und ich habe mir für heute noch vorgenommen, dass ich wenigstens zwei Psychotherapeuten wegen eines Termins anrufe. Ich hoffe, ich finden einen, der in naher Zukunft noch einen Patienten annehmen kann.
Hoffentlich geht es so weiter, bis sich die erste Wirkung zeigt. Morgen muss ich zur Blutabnahme, um die Leberwerte überprüfen zu lassen. Und ich habe mir für heute noch vorgenommen, dass ich wenigstens zwei Psychotherapeuten wegen eines Termins anrufe. Ich hoffe, ich finden einen, der in naher Zukunft noch einen Patienten annehmen kann.
Dienstag, 7. April 2009
Ich bin also depressiv ...
Nach jahrelangem Rauf und Runter hab ich mich endlich doch zum Psychiater getraut. Zuerst einmal war ich sehr überrascht, wie viele Leute zum Psychiater gehen. Der Warteraum war gerammelt voll. Ich hatte dennoch das Gefühl, hier fehl am Platz zu sein. Und mit jeder Minute, die verging, stieg meine Nervosität. Aber nach zweieinhalb Stunden Wartezeit ist auch die Aufgeregtheit irgendwann vorbei.
Man bat mich also ins Zimmer 7 - und dort saß ein älterer, bärtiger Mann, der mich fragte, warum ich hier sei. Ich berichtete von meiner tauben Stelle am Kopf (die dann nicht mehr thematisiert wurde) und dass ich unter Stimmungsschwankungen leide. Das Peinliche: Ich war kaum zwei Minuten im Raum, als mir schon die ersten Tränen aus den Augen kullerten. Dabei weiß ich nicht einmal genau, warum ich eigentlich geweint habe. Es war wohl eine Mischung aus Selbstmitleid und Erleichterung, dass ich mich endlich jemandem anvertraute (obwohl "anvertrauen" etwas hoch gegriffen ist - es war wohl eher dieses befreiende Gefühl, es nicht nur vor sich selbst, sondern auch vor jemand anderem einzugestehen, dass man nicht so glücklich ist, wie man es im Grunde sein sollte).
Obwohl der Arzt sehr verständnisvoll war, kam ich mir die ganze Zeit über sehr deplatziert vor. Eine Stimme in mir sagte unaufhörlich: "So krank bist du auch wieder nicht!" - Was dazu führte, dass ich mir noch lächerlicher vorkam, weil ich meine Tränen einfach nicht zurückhalten konnte.
Ich kämpfte gegen einen unwiderstehlichen Drang wegzulaufen und mich der Situation nicht weiter auszusetzen. Aber ich hatte mir zuvor geschworen, dass ich ab sofort gegen die Tiefs kämpfen werde. Also blieb ich sitzen. Stellte vorsichtig Fragen. Schwieg, als er mir die unvermeidliche Frage stellte: "Hatten Sie schon einmal suizidale Gedanken?". Ich nickte nur und weinte. Und ich schämte mich, dass ich diese Frage mit "Ja" beantworten musste - auch wenn ich mich noch nie verletzt hatte. Allerdings war es sehr schwer zugeben zu müssen, dass einem das Leben in dunklen Momenten nichts wert ist.
Nach etwas über einer halben Stunde waren die "Wehen" vorüber. Er gab mir ein Medikament mit (das angeblich nicht müde und lustlos macht) sowie eine Liste mit Psychotherapeuten in meiner Nähe.
Natürlich habe ich im Internet gleich mal nach Erfahrungsberichten mit Valdoxan gesucht. Und leider bisher nichts Erfreuliches darüber gelesen. Auf einigen Seiten steht, dass das Medikament überhaupt nichts bringt. Dass die Pharmafirmen es durch kleine Manipulationen besser aussehen lassen, als es eigentlich ist. Und Betroffene, die das Medikament selbst einnehmen, berichten von heftigen Nebenwirkungen (das Antidepressivum soll sich aber gerade durch die geringen Nebenwirkungen von anderen abheben). Also habe ich beschlossen, meine eigenen Erfahrungen aufzuschreiben. Denn nehmen will ich es. Ich bin entschlossen, es zu versuchen und mich nicht mehr einem vermeintlichen Schicksal hinzugeben.
Zuerst zu meiner Person:
- 31 Jahre
- weiblich
- Stimmungsschwankungen seit etwa 17 Jahren
- keine Erfahrungen mit Antidepressiva
- bisher nur Johanniskraut gegen Niedergeschlagenheit eingenommen (allerdings dadurch keine spürbaren Verbesserungen)
- bisher noch keine psychotherapeutischen Erfahrungen
Heute Abend 1. Einnahmetag von Valdoxan (25 mg) ...
Man bat mich also ins Zimmer 7 - und dort saß ein älterer, bärtiger Mann, der mich fragte, warum ich hier sei. Ich berichtete von meiner tauben Stelle am Kopf (die dann nicht mehr thematisiert wurde) und dass ich unter Stimmungsschwankungen leide. Das Peinliche: Ich war kaum zwei Minuten im Raum, als mir schon die ersten Tränen aus den Augen kullerten. Dabei weiß ich nicht einmal genau, warum ich eigentlich geweint habe. Es war wohl eine Mischung aus Selbstmitleid und Erleichterung, dass ich mich endlich jemandem anvertraute (obwohl "anvertrauen" etwas hoch gegriffen ist - es war wohl eher dieses befreiende Gefühl, es nicht nur vor sich selbst, sondern auch vor jemand anderem einzugestehen, dass man nicht so glücklich ist, wie man es im Grunde sein sollte).
Obwohl der Arzt sehr verständnisvoll war, kam ich mir die ganze Zeit über sehr deplatziert vor. Eine Stimme in mir sagte unaufhörlich: "So krank bist du auch wieder nicht!" - Was dazu führte, dass ich mir noch lächerlicher vorkam, weil ich meine Tränen einfach nicht zurückhalten konnte.
Ich kämpfte gegen einen unwiderstehlichen Drang wegzulaufen und mich der Situation nicht weiter auszusetzen. Aber ich hatte mir zuvor geschworen, dass ich ab sofort gegen die Tiefs kämpfen werde. Also blieb ich sitzen. Stellte vorsichtig Fragen. Schwieg, als er mir die unvermeidliche Frage stellte: "Hatten Sie schon einmal suizidale Gedanken?". Ich nickte nur und weinte. Und ich schämte mich, dass ich diese Frage mit "Ja" beantworten musste - auch wenn ich mich noch nie verletzt hatte. Allerdings war es sehr schwer zugeben zu müssen, dass einem das Leben in dunklen Momenten nichts wert ist.
Nach etwas über einer halben Stunde waren die "Wehen" vorüber. Er gab mir ein Medikament mit (das angeblich nicht müde und lustlos macht) sowie eine Liste mit Psychotherapeuten in meiner Nähe.
Natürlich habe ich im Internet gleich mal nach Erfahrungsberichten mit Valdoxan gesucht. Und leider bisher nichts Erfreuliches darüber gelesen. Auf einigen Seiten steht, dass das Medikament überhaupt nichts bringt. Dass die Pharmafirmen es durch kleine Manipulationen besser aussehen lassen, als es eigentlich ist. Und Betroffene, die das Medikament selbst einnehmen, berichten von heftigen Nebenwirkungen (das Antidepressivum soll sich aber gerade durch die geringen Nebenwirkungen von anderen abheben). Also habe ich beschlossen, meine eigenen Erfahrungen aufzuschreiben. Denn nehmen will ich es. Ich bin entschlossen, es zu versuchen und mich nicht mehr einem vermeintlichen Schicksal hinzugeben.
Zuerst zu meiner Person:
- 31 Jahre
- weiblich
- Stimmungsschwankungen seit etwa 17 Jahren
- keine Erfahrungen mit Antidepressiva
- bisher nur Johanniskraut gegen Niedergeschlagenheit eingenommen (allerdings dadurch keine spürbaren Verbesserungen)
- bisher noch keine psychotherapeutischen Erfahrungen
Heute Abend 1. Einnahmetag von Valdoxan (25 mg) ...
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