Nach jahrelangem Rauf und Runter hab ich mich endlich doch zum Psychiater getraut. Zuerst einmal war ich sehr überrascht, wie viele Leute zum Psychiater gehen. Der Warteraum war gerammelt voll. Ich hatte dennoch das Gefühl, hier fehl am Platz zu sein. Und mit jeder Minute, die verging, stieg meine Nervosität. Aber nach zweieinhalb Stunden Wartezeit ist auch die Aufgeregtheit irgendwann vorbei.
Man bat mich also ins Zimmer 7 - und dort saß ein älterer, bärtiger Mann, der mich fragte, warum ich hier sei. Ich berichtete von meiner tauben Stelle am Kopf (die dann nicht mehr thematisiert wurde) und dass ich unter Stimmungsschwankungen leide. Das Peinliche: Ich war kaum zwei Minuten im Raum, als mir schon die ersten Tränen aus den Augen kullerten. Dabei weiß ich nicht einmal genau, warum ich eigentlich geweint habe. Es war wohl eine Mischung aus Selbstmitleid und Erleichterung, dass ich mich endlich jemandem anvertraute (obwohl "anvertrauen" etwas hoch gegriffen ist - es war wohl eher dieses befreiende Gefühl, es nicht nur vor sich selbst, sondern auch vor jemand anderem einzugestehen, dass man nicht so glücklich ist, wie man es im Grunde sein sollte).
Obwohl der Arzt sehr verständnisvoll war, kam ich mir die ganze Zeit über sehr deplatziert vor. Eine Stimme in mir sagte unaufhörlich: "So krank bist du auch wieder nicht!" - Was dazu führte, dass ich mir noch lächerlicher vorkam, weil ich meine Tränen einfach nicht zurückhalten konnte.
Ich kämpfte gegen einen unwiderstehlichen Drang wegzulaufen und mich der Situation nicht weiter auszusetzen. Aber ich hatte mir zuvor geschworen, dass ich ab sofort gegen die Tiefs kämpfen werde. Also blieb ich sitzen. Stellte vorsichtig Fragen. Schwieg, als er mir die unvermeidliche Frage stellte: "Hatten Sie schon einmal suizidale Gedanken?". Ich nickte nur und weinte. Und ich schämte mich, dass ich diese Frage mit "Ja" beantworten musste - auch wenn ich mich noch nie verletzt hatte. Allerdings war es sehr schwer zugeben zu müssen, dass einem das Leben in dunklen Momenten nichts wert ist.
Nach etwas über einer halben Stunde waren die "Wehen" vorüber. Er gab mir ein Medikament mit (das angeblich nicht müde und lustlos macht) sowie eine Liste mit Psychotherapeuten in meiner Nähe.
Natürlich habe ich im Internet gleich mal nach Erfahrungsberichten mit Valdoxan gesucht. Und leider bisher nichts Erfreuliches darüber gelesen. Auf einigen Seiten steht, dass das Medikament überhaupt nichts bringt. Dass die Pharmafirmen es durch kleine Manipulationen besser aussehen lassen, als es eigentlich ist. Und Betroffene, die das Medikament selbst einnehmen, berichten von heftigen Nebenwirkungen (das Antidepressivum soll sich aber gerade durch die geringen Nebenwirkungen von anderen abheben). Also habe ich beschlossen, meine eigenen Erfahrungen aufzuschreiben. Denn nehmen will ich es. Ich bin entschlossen, es zu versuchen und mich nicht mehr einem vermeintlichen Schicksal hinzugeben.
Zuerst zu meiner Person:
- 31 Jahre
- weiblich
- Stimmungsschwankungen seit etwa 17 Jahren
- keine Erfahrungen mit Antidepressiva
- bisher nur Johanniskraut gegen Niedergeschlagenheit eingenommen (allerdings dadurch keine spürbaren Verbesserungen)
- bisher noch keine psychotherapeutischen Erfahrungen
Heute Abend 1. Einnahmetag von Valdoxan (25 mg) ...
Dienstag, 7. April 2009
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